Holocaust

Ein Nummer auf der Hand

Deutsche Übersetzung
Alexander Kogan

Einmal im Sommer, wir waren allein,
Ich sah Großmutters Nummer – Sehr sorgfältig und fein.
Ich war damals klein – noch wurd ich getragen,
neugieriger Entdecker – sucht ohne zu fragen.
Ich legte meine zarte Hand auf ihren Arm,
wollte jede Ziffer rausreißen, sofort – ohne Scham.

Großmutter umarmte mich und küßte –
Sie hat nur leise gesagt: wenn du nur davon wüßtest…
Die Jahre vergehen wie ein Karussell ohne Sitze…
Wieder ein Sommer mit glühender Hitze .
Erblickte ich wieder ihren nackten Arm,
Und die alten bekannten Ziffern, 
sorgfältig eingraviert, mit kleinem Abstand . 

Großmutter – ich fragte mit Gier –
Lass mich meine Hand anmalen,
Genau wie bei dir …
Sie hat nur ein wenig gelacht –
Dazu aber nichts weiter gesagt… 

Die Zeit vergeht und der Sommer ist da.
Neun Jahre bin ich alt – verstehe nun ja.
Großmutters Nummer… wollte ich wieder fragen –
Ist nicht weg zu radieren, für immer zu tragen?
Wollte es wissen, stand ich im Raum –
Warum nur sie – und die anderen kaum?

Plötzlich begann meine Oma zu sprechen:
Erzählte von der Vergangenheit, Einer Zeit so fern und doch so nah,
Von einem Volk in der Diaspora,
dem Holocaust, Heldentum und Zügen,
Bitterer Kälte, Hunger, Arbeitslager Lügen,
Und sie wie durch ein Wunder aus dem Tode gekehrt …
Um`s dir zu erzählen Kindchen, bleib nett.

Einmal im Sommer, wir waren allein,
Küste ich kräftig mein Großmütterlein.

The Number on Grandmother’s Arm

The Number on Grandmother’s Arm
One day in summer, radiant and calm,
I noticed a number on grandmother’s arm.
I was just a toddler – exploring the world,
asking and answering without saying a word.
I touched with my fingers the elderly arm –
scratching the figures, meaning no harm.

My grandmother hugged me, wishing me well:
“Wait till you’re older. I promise to tell!”

The seasons complete their circular track.
The sweltering heat of summer is back.
“Grandma!” – I beg – “Let me, like you,
draw on my arm a number in blue!”

She lovingly kissed me, tousling my hair.
I sensed it was me she wanted to spare.

The seasons are changing – waiting in-line.
I’ve grown up now, I am already nine.
The number, familiar, would not fade away –
engraved with precision forever to stay!
“Why does grandmother have it while others do not?”
…Then grandmother started unveiling her lot:

She spoke of her youth, her mom and her dad,
of Jewish existence – heroic and sad,
of frost and of hunger, of danger and pain,
of how she survived again and again…

As evening descended, soothing and calm,
I tenderly kissed my grandmother’s arm.
_________________________________________________
* The number 30910 tattooed on the arm of Ester Margolis,
a survivor of Auschwitz-Birkenau (1943-1945), the mother
of Ella Dor-On.