Esterka – überlebende der Shoa

In einer wundervollen, sommerlichen Juninacht, als wir, fröhliche Jugendliche, Lieder singend von einer Feier heimkehrten, voller Glauben in die eigene junge Stärke, hörten wir plötzlich das Getöse schwerer Artillerie. Wir liefen los, ohne dabei etwas Ernsthaftes zu vermuten. Wir wollten einfach unserem Heim möglichst nahe sein. Aber unsere Häuser befanden sich auf der anderen Seite des Flusses Neman (Memel). Damals wohnten wir in einem Vorort von Ferstadt. Zu unserem Bedauern konnten wir die Brücke nicht passieren, weil sie von deutschen Bombern bereits zerstört worden war. Die Stadt brannte. Die Deutschen überfielen ganz unerwartet Russland, für das es völlig überraschend kam.

Voller Angst und total verwirrt liefen wir in Richtung der Stadt und versteckten uns in einem der ersten Häuser. Menschen liefen mit kleine Kindern auf dem Arm, ringsherum fielen Bomben.