Esterka – überlebende der Shoa

Es stellte sich heraus, dass nicht nur sie, sondern auch viele andere Einwohner die Stadt verlassen hatten. Ich wusste nicht, was meinen Lieben zugestoßen war. Und wieder ereilte mich das böse Schicksal. Zusammen mit diesen schrecklichen Ereignissen verlor ich meine Jugend und wurde erwachsen. Das Leid hatte mich abgehärtet. Ich entschloss mich, zu meinem Bruder zu gehen, der in Lososna lebte. Zu der Zeit war mein Bruder nicht bei uns. Als der Krieg anfing, lebte er in Bialystok. Die russische Regierung hatte ihn zwecks Erweiterung seiner Qualifizierung in seinem Fachgebiet nach Bialystok geschickt. Er war ein junger, begabter Mensch. Wir wussten nichts über sein Schicksal (In Lososna traf ich meine Schwägerin Ljuba mit ihren beiden kleinen Mädchen). Also machte ich mich auf den Weg nach Lososna zu meinen Verwandten. Aber unterwegs waren überall Deutsche. Ihr Gebrüll und ihre Kommandos waren überall zu hören. Deutsche Karren und Autos fuhren auf der Straße, auf der ich langsam und voller Angst an ihnen vorbeiging. Aus der Vergangenheit wusste ich bereits, wonach das roch, wusste, was uns erwartete. Ich dachte an meine Eltern, wusste nicht, wo meine Schwester war, wo meine Brüder waren.