Esterka – überlebende der Shoa

Aber so, wie sich die Mächte ablösten, wechselten auch die Truppen. Unsere Herzen waren fortwährend mit Angst erfüllt. Das Leid kam allerdings nicht von den Deutschen, sondern von den „guten“ polnischen Nachbarn. Der tausendfache Antisemitismus, welcher in die Herzen der Polen gesät wurde, siegte und sie verrieten uns an die Deutschen. Obwohl wir in ständiger Angst lebten, konnten wir uns frei bewegen und brauchten zeitweise auch den gelben Stern nicht zu tragen. Dadurch, dass alle jüdischen Familien in direkter Nachbarschaft zueinander lebten, nannte man das Viertel „Lososnas kleines Ghetto“. Es dauerte nicht lange, bis es an einem schönen Tag an der Tür klopfte und augenblicklich waren wir von Deutschen umzingelt. In den Händen hielten sie Parolen wie: „Der jüdische Bolschewismus ist schuld am Krieg“, und ähnliches. Offensichtlich hatten die „gutherzigen“ Polen den Deutschen verraten, dass wir Juden waren. Die Deutschen verhörten uns – wer wir seien und was wir hier täten. „Euer Platz ist nicht hier“, sagte einer von ihnen. Meine Schwägerin Ljuba erklärte ihnen, dass sie hier geboren worden sei und ihre ganze Familie Landwirte wären. Die jedoch brachen in wildes Gelächter aus und sagten: „Wir wissen, dass alle Juden Spekulanten sind, einige von ihnen haben sogar Hörner auf dem Kopf.“