Esterka – überlebende der Shoa

Dann begab ich mich in große Gefahr, was mir aber erst später bewusst wurde. Mit meinem kleinen, zerbrechlichen Körper beugte ich mich schützend über sie und flehte ihn an: „Lassen sie sie, sie hat kleine Kinder. Erlauben sie mir, diese Aufgabe zu erledigen. Ich werde alle Fliegen hinaus jagen, Herr Kommandant.“ Ich sprach ihn mit einem höheren Rang an, was ihm schmeichelte. Er lachte wild auf und war über meinem Mut erstaunt. Und wie einen Hund jagte er meine Schwägerin weg. Ich blieb ganz allein mit den Männern in dem Haus … Ich weiß nicht, wie lange ich mit ihnen rang, aber ich weiß noch gut, dass es dafür eine festgelegte Zeitspanne gegeben hatte. Außerdem weiß ich noch, dass ich die „Aufgabe“ erfüllt hatte. Spät am Abend kehrte ich nach Hause zurück. Ich empfand keine Erniedrigung, doch in meiner noch jungen Seele fühlte ich Scham darüber, dass die Welt es der Menschheit gestattet hatte, sich bis zu einer solchen unmenschlichen Brutalität zu entwickeln. Und ich, ich war stolz, dass es meiner Ljuba gelungen war, dieser Erniedrigung zu entgehen. Von da an ging ich an ihrer Stelle zu Arbeit. (Wie alle Juden kam sie mit ihren Kindern durch die Hände deutscher Faschisten um.