Esterka – überlebende der Shoa

Die Deutschen hatten bereits einige benachbarte Dörfer umzingelt, um dieses Mal auch die polnischen Jugendlichen zu ergreifen. Und ich war an diesem Tag die einzige Jüdin dort, weit weg von meiner Familie. Mein Herz erbebte. Zu meinem Glück bekam es auch meine Begleiterin mit der Angst zu tun. Wir beschlossen, unsere Richtung zu ändern. Ich aber verlor das Vertrauen zu meiner Begleiterin und meine Vorahnung sollte mich nicht täuschen. Nicht weit von uns entfernt befand sich ein polnischer Friedhof und wir gingen in seine Richtung, um dort vorübergehend Zuflucht zu suchen – wir wollten uns verstecken. Ich kann mich daran noch wie heute erinnern. Den Friedhof bewachte eine alte polnische Frau. Wir erzählten ihr, dass wir wegen der Fahndung Angst hätten und uns nun davor fürchteten, von den Deutschen gefangen genommen zu werden. Daher baten wir sie, uns so lange zu verstecken, bis sich alles wieder beruhigte. Die gutherzige alte Frau willigte sofort ein, führte uns in ein altes Haus und beherberge uns. Als sich um uns herum alles wieder beruhigt und die Deutschen ihre Gräueltaten vorerst eingestellt hatten, überprüfte sie erst die Straße und begleitete uns dann hinaus. Für unterwegs gab sie uns Äpfel und noch einige andere Lebensmittel mit.