Esterka – überlebende der Shoa

Doch da sagte meine Begleiterin (sie war eine Polin aus dem Dorf): „Geben sie ihr nichts“, und zeigte dabei mit dem Finger auf mich, „sie ist doch eine Jüdin.“ Augenblicklich hörte mein Herz auf zu schlagen. Ich war gelähmt vor Angst, denn ich war überzeugt, dass sie mich umgehend an die Deutschen verraten würden. Es kam aber alles ganz anders … Es war mir bestimmt, zu leben! Die gute alte Frau wandte sich an meine Begleiterin und fing an zu reden: „Du darfst so nicht reden und nicht denken. Du bist doch eine Christin und solltest wissen, dass vor Gott alle Menschen gleich sind.“ Und damit schenkte sie mir das Leben. Deshalb ist mir dieser Tag für immer in Erinnerung geblieben.

Natürlich war der Weg zurück zum Ghetto doppelt gefährlich, denn ich war ohne den gelben Stern unterwegs und mich begleitete der Feind in Form meiner Begleiterin. Aber in Gefahren härten die Menschen ab und werden furchtlos. Damit endeten meine Ausflüge in das Dorf. Das Leben ging allerdings weiter und im Ghetto wurde es mit jedem Tag schlimmer und schlimmer. Wir mussten nach einem anderen Ausweg suchen, um nicht zu verhungern und dafür musste man täglich, stündlich, monatlich sein Leben aufs Spiel setzen. Dabei hatte man nur ein Leben …