Esterka – überlebende der Shoa

Der Leichnam meines Vaters musste beerdigt werden. Da es aber innerhalb des Ghettos keinen Friedhof gab, musste dies außerhalb des Lagers geschehen. Dafür benötigte man aber einen Passierschein des Lagerkommandanten. Wir standen vor einem Problem: Es musste ein Dokument mit der Todesursache vorgelegt werden. Der Juden Rat belehrte uns mit dem Rat, nicht anzugeben, wer unseren Vater ermordet hatte, denn das würde die Verantwortlichen in der Verwaltung noch mehr erzürnen. Ich aber, ein schmächtiges Mädchen, entschied, auf komme was wolle hinzugehen und um einen Passierschein zu bitten, um den Leichnam meines Vaters auf einem jüdischen Friedhof beisetzen zu können. Es stellte sich heraus, dass der Kommandant tatsächlich die Todesursache wissen wollte und ich erzählte ihm, mein Vater sei an einer Krankheit gestorben. Der Kommandant war über meinen Mut erstaunt und stellte mir einen Passierschein aus, mit dem an diesem Tag bis zu 20 Personen meinem Vater das letzte Geleit geben konnte. Es war ein trauriger Anblick. Auf einem alten Karren begleiteten wir den Sohn des bekannten Mannes Lejme Margolis, meinen Vater, einen ehemals geschätzten Bürger der Stadt und den Aufrichtigsten unter den Aufrichtigen, Alter Margolis.