Esterka – überlebende der Shoa

Der Weg nach Auschwitz

Ein Transport nach dem anderen brachte Menschen aus dem Lager fort. Viele Juden glaubten noch, dass die Deutschen sie zum Arbeiten wegbrachten. Nach all diesen Schikanen und Ermordungen von unschuldigen Menschen fingen die Juden an zu erahnen, was sie erwartete. Manche liefen von einem Ort zum anderen, einige versteckten sich sogar in der Synagoge. Ein junger Mensch versteckte sich während eines Transports sogar im „Thora Schrank“. Aber nirgends gab es Rettung, er wurde ermordet. Da die Straßen abgesperrt waren, wussten wir nichts voneinander, von unseren nahen Verwandten. Bei einem der letzten Transporte verloren wir unseren jüngsten Bruder Lejme Margolis. Er war gegangen, unsere Schwägerin Ljuba und ihre Familie zu besuchen und wurde dabei offensichtlich zusammen mit ihr und ihrer Familie ergriffen und abtransportiert. Es war ein frostiger Januartag und meine Mutter war sehr in Sorge, weil er nur leicht bekleidet und ohne Mütze aus dem Haus gegangen war (welche Naivität und Glaube an das Gute). Er war ein zarter Junge und beim Essen wählerisch, aber das Mutterherz war besorgt und beunruhigt, ungeachtet dessen, wie viel sie schon durchlebt hatte und wie viele nahestehende Menschen sie schon verloren hatte. Und so blieben meine Mutter und ich alleine von der einstmals so großen Familie übrig.