Esterka – überlebende der Shoa

Die Menschen in der gestreiften Kleidung liefen immer noch hin und her. Sie hatten wichtige Aufgaben, von denen wir erst erfuhren, als wir schon im Lager waren. Als wir auf der Rampe standen, kannten wir die Bedeutung der Selektion noch nicht. Wir dachten, dass unsere Lieben nur für eine begrenzte Zeit von uns getrennt würden und sie in ein anderes Lager kämen, um zu arbeiten. Das Lager in Auschwitz erstreckte sich über 40 Quadratkilometern und konnte 200 000 Gefangene beherbergen. Uns Frauen schickte man in das Lager „Birkenau“. Unterwegs, während des Marschen, der recht lange dauerte, wurden wir durch die Lager-“Kapos“ erniedrigt, die sich gemeinsam mit den Deutschen über uns lustig machten. Und wehe dem, der nicht in Reihe und Glied ging. Diese Kapo-Aufseherinnen waren entartete Frauen. Sie waren auch Gefangene von Oświęciem, allerdings mit Privilegien. Später erfuhren wir, dass sie wegen Mordes, Prostitution und anderer krimineller Verbrechen in Lagerhaft kamen. Die meisten von ihnen waren Deutsche. Unser Verbrechen bestand darin, dass wir unschuldige Juden waren. Einige von ihnen waren wie Männer gekleidet und sogar ihre Stimmen klangen männlich. Sie trieben uns vorwärts und sorgten dafür, dass wir uns in ständiger Angst befanden. In ihren Händen hielten sie Gummiknüppel, ebenso wie die Deutschen. Wenn jemand von uns aus Schwäche oder Verwirrung aufgrund dessen, was da vor sich ging, auch nur für einen Moment verweilte, dann fühlte er sehr deutlich die Schläge mit diesen Gummiknüppeln.