Esterka – überlebende der Shoa

Als dann unsere Untergrundorganisation half, den im Lager ankommenden Gefangenen Schuhe und Kleidung in deren Größe zukommen zu lassen, bedeutete es, die Kameraden vor dem Tod zu retten. So erstaunlich diese Tatsache auch war – es war wahr. Und diese kameradschaftliche Hilfe gab den Menschen Hoffnung und den Glauben an das Gute. Diese scheinbaren Kleinigkeiten erhielten die Moral unter den Gefangenen. Mit diesen Methoden arbeitete die deutsche Maschinerie von der ersten Minute an der Vernichtung der Menschheit, und zwar in erster Linie an der moralischen Zerstörung. Die Aufgabe der Deutschen bestand darin, in unseren Seelen, und ganz besonders in den jüdischen Seelen, Gleichgültigkeit und Apathie entstehen zu lassen. Blitzschnell verwandelten sich die wundervollen Jugendlichen unseres Transports (und es gab viele Transporte) in nicht wiedererkennbare „Musulmane“. Dann wurden wir tätowiert und hörten auf, Menschen zu sein. Auch auf meine Hand wurde eine Nummer tätowiert. So wurde ich Gefangene des Todeslagers von Oświęciem unter der Nummer 30910.