Esterka – überlebende der Shoa

Zwei Mal täglich mussten wir zum Appell antreten. Die Appelle waren für die Deutschen heilig und wurden sehr genau, pünktlich und hingebungsvoll durchgeführt. Auf diese Weise dienten sie ihrem Führer – Hitler. Die Aufgabe der Deutschen bestand darin, uns zu erniedrigen und zu vernichten, die Menschen apathisch zu machen, unfähig, sich zu wehren und zu denken. Die Menschen wurden schwach und sogar psychotisch. Für den kleinsten Fehler, das kleinste Vergehen, wurden die Mädchen in den 25. Block geschickt, in den Todesblock, und von dort in die Gaskammern. Täglich trieben sie uns zur Arbeit außerhalb des Lagers, zwangen uns Sand und Erde von einer Stelle zur anderen zu schleppen. Mit Schaufeln luden wir die Erde auf Wagen und brachten sie dann an einen anderen Platz. Diese sinnlose, schwere Arbeit raubte uns die letzte Kraft. Wehe den, der auch nur für eine Minute innehielt um auszuruhen. Das Kommando über uns hatten deutsche Aufseherinnen mit Hunden. Für den geringsten Ungehorsam hetzten sie ihre Hunde auf uns. Es kam vor, dass die Mädchen das Tempo nicht halten konnten, ihr Schritt sich verlangsamte oder, wie ich schon erwähnte, ihre Holzschuhe hatten nicht die richtige Größe und blieben deshalb im Schlamm stecken. In diesen Fällen hetzte die deutsche Aufseherin unverzüglich ihren Hund auf das Opfer. Der Weg zurück ins Lager war täglich voller neuer Leichen. Die noch lebenden Opfer wurden sogleich in den 25. Block und von dort in die Gaskammern gebracht. Das waren schreckliche und unvergessliche Tage. Die Menschen fielen um wie die Fliegen.