Esterka – überlebende der Shoa

Meine Aufgabe bestand darin, in jedem Block eine Zelle zu organisieren und dafür in jedem Block eine vertrauenswürdige Person zu finden, die dann für ihre Leute die Verantwortung übernehmen sollte. Die Zellen sollten aufgeteilt sein in russische, polnische, französische usw., um das Misstrauen der Deutschen nicht zu wecken. In erster Linie mussten diese Leute verlässlich sein, mit einem hohen moralischen Standard, die einander in jeder Situation halfen. Sie durften einander nicht erniedrigen, sondern mit guten Worten ermutigen und damit das deutsche System der Vernichtung vernichten, die das Ziel hatte, den Hass zwischen den Gefangenen zu schüren, sodass die Gefangenen sich dann gegenseitig erniedrigten. Denn unter diesen grauenvollen Bedingungen verloren die Menschen den Verstand und das Selbstwertgefühl, woraufhin das Tier im Menschen hervorkam. Daher bestand unsere Aufgabe in der Wiederherstellung guter zwischenmenschlicher Beziehungen unter allen Gefangenen und der Bildung einer Organisation zur Ausgabe von Kleidung, Brot sowie Medikamenten für die Kranken und Schwachen. Ferner sollte der Geist der Mutlosen und der Glaube an das Leben gestärkt werden. So begannen die ersten Schritte der Untergrundorganisation im Frauenlager von Birkenau. Ich wurde zur Verbindungsperson zwischen den Blöcken und Verantwortliche für den Kontakt zum männlichen Untergrund, das heißt zu Hans Zimetbaum, David Schmulewski, Gefangener 27849, Rudolf (Rudi) Vrba, Gefangener 44070, einer der mutigen Kameraden, welcher gemeinsam mit Wetzler siegte und am Leben blieb, später mehr darüber) und Peter Mischin (Gefangener 1844, lebt jetzt in Moskau) gewählt.