Esterka – überlebende der Shoa

Jetzt möchte ich kurz unsere historische Überquerung des Flusses Bug erzählen. Es war Nacht. Wir befanden uns bereits auf der russischen Seite. Um uns herum herrschte Stille und die Angst ließ unsere jungen Seelen nicht los. Meine Schwester Rachel und ich bemerkten in der Ferne ein kleines Haus, in dem Licht brannte. Unsere Herzen erbebten. Voller Ungewissheit dachten wir: „Welche Menschen dort wohl wohnen?“ Aber da wir keinen anderen Ausweg sahen, machten wir uns in diese Richtung auf – ins Unbekannte. Wir näherten uns dem Haus und klopften an. Ein Mädchen mit erstaunlichen Augen öffnete uns und fragte: „Wer seid ihr?“ Wir erzählten ihr, in welch schwieriger Lage wir uns befanden, woher wir kamen und baten darum, dass sie uns gestattete, dort zu übernachten. Wir erklärten, dass von ihr unser weiteres Schicksal abhing. Sie lief schnell zu ihrer alten Mutter und jene willigte ein. Wir waren sehr froh. Sie gaben uns gleich zu Abend zu essen und wir kamen wieder etwas zu Kräften. Natürlich schenkten wir ihnen im Gegenzug warme Kleidung aus Wolle, welche wir mitgenommen hatten.