Esterka – überlebende der Shoa

Heute kommen Fragen auf. Woher hatten wir, ganz gewöhnliche Gefangene, solche Möglichkeiten, den anderen Gefangenen zu helfen? Daher werde ich ihm Rahmen meiner Möglichkeiten versuchen, die Struktur und die Quellen zu erklären, woher wir viele Sachen im Lager Oświęciem-Birkenau bekamen. Erstens brachten die Transporte aus ganz Europa, welche Gewaltsam in Richtung der Lager geschickt wurden, sehr viele Wertsache mit, Kleidung und Lebensmittel, Medikament und andere Dinge. Diese Menschen glaubten an das Leben. Und wenn der Mensch alles verliert und er lediglich Handgepäck mit einem bestimmten Gewicht mitnehmen darf, dann versteht es sich von selbst, dass er nur die wichtigsten und wertvollsten Sachen mitnimmt. Und das alles nahmen die deutschen Faschisten an sich. Es gab auch folgende Fälle: Damit diese Wertsachen nicht in deutsche Hände gerieten, übergaben die Menschen ihre Wertsachen anderen, wesentlich erfahreneren Gefangenen und einige warfen die Sachen direkt in die Toilette, damit die deutschen Scheusale dessen nicht habhaft wurden. Einige Gefangene arbeiteten in dem Block, in dem die Kleidung sortiert wurde, welche die in Birkenau eintreffenden Menschen ablegen mussten. Dort konnten sie dann viele Sachen „organisieren“, oder vielmehr stehlen, und ins Lager bringen. Natürlich war dies alles mit einem hohen Risiko verbunden – Todesstrafe durch Vergasen. Es sollte betont werden, dass das Wort „stehlen“ im Lager nicht existierte. Angebracht war die Bezeichnung „organisieren“ und das bedeutete Mut, denn sowohl aus der Perspektive des philosophischen Verständnisses als auch im Hinblick auf die Fakten gehörten die Sachen uns, den Gefangenen, bei denen die Deutschen sie weggenommen hatten. Wir unterhielten auch nach draußen einen geheimen Kontakt.