Esterka – überlebende der Shoa

Diese gutherzigen Menschen erlitten auch Schwierigkeiten von Seiten der sowjetischen Regierung, von Seiten der russischen Grenzsoldaten, denn die Grenzsoldaten kamen oft in die Häuser nahe der Grenze. Und wie ich vorhin schon unterstrich, hatte man zu dieser Zeit bereits verboten, Flüchtlinge nach Russland hineinzulassen. Daher beschloss die Familie, bei der wir uns befanden, Vorsichtsmaßnahmen zu treffen und bat uns, unsere Herkunft zu verbergen. Sie sagten uns, dass sie im Falle eines Besuchs von Grenzsoldaten uns als ihre Verwandten vorstellen würden, welche sie für einige Tage besuchten. Hier mussten wir eine „Mutprobe“ bestehen, und das war gar nicht so einfach. Nach dem Abendessen legten wir uns schlafen. Da in dem Haus wenig Platz vorhanden war, musste ich zusammen mit der jüngsten Tochter des Hauses in einem Bett schlafen. Gegen Mitternacht hörten wir das Klopfen der Grenzsoldaten. Ich erschrak fürchterlich und im selben Moment betraten zwei Grenzsoldaten das Haus. Einer trat an unser Bett, in dem ich halb tot vor Angst lag und mich schlafend stellte. Der Grenzsoldat fragte die Tochter des Hauses immer wieder darüber aus, wer ich sei und woher ich komme. Offensichtlich jedoch fand er die jüngste Tochter sympathisch und letztendlich gab er seine Nachforschungen auf. Fast bis zum Morgen litt ich aus Angst unter der Decke an Sauerstoffmangel. Erst gegen Morgen endeten meine Qualen. Und am Morgen fand dann eine große „Fahndung“ nach Flüchtlinge statt, die illegal die Grenze überquert hatten. Überall an der Grenze standen Grenzsoldaten, sodass wir unsere „Reise“ nicht fortsetzen konnten.