Esterka – überlebende der Shoa

In den Baracken starben die Menschen. Die Menschen weinten und flehten um einen Schluck Wasser. Sie schrien. Aber ich hatte nicht genug für alle. Ich kann mich an ein junges Mädchen namens Hanna erinnern. Sie flehte: „Gebt mir einen Tropfen Wasser.“ Ihre jungen Augen glühten, sie hatte 40° Fieber, denn sie litt an Typhus. Ich trat zu ihr, hob ihren Kopf an und gab ihr Wasser zu trinken. Sie weinte und küsste meine Hände. Über den Zeitraum von mehreren Tagen brachte ich ihr heimlich Wasser, Milch und einige wenige Lebensmittel. Ich kann mich daran erinnern, dass es mir einmal sogar gelang, meine Ration gegen eine Zitrone zu tauschen, die ich dann eilig diesem Mädchen brachte. Nie werde ich diese wunderbaren Augen vergessen. „Esterchen“, sagte sie eines Tages leise zu mir, „du hast mich gerettet.“ Da ich meine Tätigkeit in der „Diät-Küche“ beenden musste, habe ich Hanna danach nicht mehr gesehen. Nach vielen Jahren, als ich bereits in Israel lebte, erfuhr ich, dass sie irgendwo in Amerika lebte.