Esterka – überlebende der Shoa

 Juni 1985

Begegnung mit Alfréd Wetzler.

Im Jahr 1972 wurde ich vom Generalsekretär des Ausschwitze Komitees, Hermann Langbein, zu Gerichtsverfahren eingeladen, um als Zeugin gegen die deutschen Verbrecher Otto Graf und Franz Wunsch auszusagen. Die beiden waren unmittelbar bei den Verbrennungen unschuldiger Juden mit Zyklon-Gas beteiligt und dafür verantwortlich, einschließlich (der Erinnerung nach) meiner Mutter Schifra Margolis und meines jüngsten Bruders Lejme Margolis. Wir sind Zeugen, Überlebende der grauenvollsten Epoche dieser Erde. Wir sind erschüttert durch die Vergangenheit und in unseren Herzen bleiben für ewig Leid und Unruhe. Ach! Die Ironie des Schicksals! Die deutschen Verbrecher fuhren vor dem Gerichtsgebäude in edle Autos von Mercedes vor, und erschienen wie für ein Fest gekleidet, in eleganten Anzügen. Sie waren in Österreich und das gab ihnen Sicherheit darin, dass wir die letzten Zeugen waren.
Im Gerichtssaal traf ich alte Bekannte, ehemalige Häftlinge von Auschwitz-Birkenau.

Ich habe von ihnen erfahren, dass Alfréd Wetzler in der Stadt Bratislava in der Tschechoslowakei lebte.

Alfréd Wetzler und Rudolf Vrba, beide in der Tschechoslowakei geboren, waren die einzigen Gefangenen, die am 7. April 1944 aus dem Konzentrationslager Birkenau entkommen, ohne gefangen zu werden. Sie flohen nach Ungarn und übergaben den Alliierten einer ausführlichen Dokumentation, was im Vernichtungslager vor sich ging.