Esterka – überlebende der Shoa

Mein Großvater Lejme Margolis war ein bekannter und geschätzter Einwohner der Stadt Grodno. Ich persönlich kann mich weder an den Großvater noch an die Großmutter väterlicherseits erinnern, denn ich wurde bereits nach deren Tod geboren. Ich möchte betonen, dass unsere Familie groß war. Der älteste Bruder Moshe Margolis war verheiratet und wohnte in der Stadt Kosow Poleski. Der mittlere Bruder war ebenfalls verheiratet und der jüngste Bruder Lejme Margolis, der den Vornamen des Großvaters trug, was alleinstehend, ein junger Mann (er wurde im Krematorium von Oświęciem verbrannt, wovon ich erfuhr, als ich Gefangene im Lager von Oświęciem war). Meine mittlere Schwester lebte mit mir und unseren Eltern. Die älteste Schwester Mathilda lebte zu der Zeit in Israel. Im Jahr 1933 reiste sie als zionistische Idealistin dorthin aus. Und so lebten wir von ungefähr Dezember 1939 bis zum 22. Juni 1941 unter der sowjetischen Herrschaft. Das Leben war, wie ich bereits unterstrich, nicht leicht. Wir mussten alles neu aufbauen, aber wir waren frei und jung. Wir arbeiteten alle und lernten. Dies hielt allerdings nicht lange an. Der Juni brachte uns wieder den Krieg! Und das war einer der grauenvollsten Kriege auf dieser Erde.