Esterka – überlebende der Shoa

Große Angst umfing die Menschen. Es herrschte Panik. All dies geschah blitzschnell. Gegen Morgen gelang es mir, zu unseren Verwandten in der Mostowoj-Straße zu laufen. Wenn ich mich nicht irre, war es die Hausnummer sechs. Gleichzeitig beherrschte die Menschen auf der anderen Seite des Neman abgrundtiefe Angst und Panik. Sie ließen all ihr Hab und Gut zurück und rannten tiefer nach Russland hinein. Sie konnten weder ahnen noch voraussehen, dass der Feind bereits tief in russisches Staatsgebiet vorgedrungen war.

Die Deutschen hatten fast ganz Weißrussland umzingelt. Und als die Deutschen nach einigen Tagen die gesamte Stadt erobert hatten, entschieden wir, uns auf die andere Seite des Neman zu begeben. Mich traf großes Leid – als ich nach Hause zurückkehrte, war von meiner Familie niemand mehr da. Unser Haus war zerstört, die Häuser in der Nachbarschaft waren ebenfalls alle verlassen. Meine Familie war verschwunden und ich wusste nicht, was mit ihnen geschehen war.