Esterka – überlebende der Shoa

Endlich erreichte ich den Ort, an dem mein Bruder wohnte. Auch dort herrschte bereits schreckliche Panik und Verwirrung – niemand wusste, was mit meinem Bruder geschehen war. Mit meiner Schwägerin und ihrer Familie verbrachte ich fast eine ganze Woche in Unwissenheit. Und dann tauchten eines Tages plötzlich meine Eltern mit meinem jüngsten Bruder Lejme auf (niemand wusste, wo meine mittlere Schwester Rachel geblieben war). Leise beweinten wir sie. Meine Eltern waren mit meinem Bruder nach Osten in Richtung der Stadt Minsk geflohen, aber der Feind war überall und so blieb ihnen kein anderer Ausweg, als wieder zurückzukehren. Die Stadt Minsk war umzingelt und das Land Drumherum befand sich bereits in den Händen der deutschen Eroberer. Zerschlagen und hungrig kehrten sie nach Lososna zurück. Vor Freude weinten wir alle. Doch unsere Mutter machte sich sehr große Sorgen um die anderen Kinder und über Rachels Verbleib wussten wir gar nichts.