Esterka – überlebende der Shoa

Nach einigen Tagen jedoch fanden wir ihren Mantel – oder vielmehr ein Bekannter brachte ihn uns – den unsere Mutter direkt vor dem Krieg genäht hatte, sowie ihre Ausweispapiere. Wir beweinten sie alle, denkend, sie sei während der Bombardierung umgekommen. Und das Leben ging weiter. (Erst nach dem Krieg traf ich unter erstaunlichen, geradezu märchenhaften Umständen meine Schwester wieder.)

Eine neue Etappe begann, voller Gefahren und Unsicherheiten. Wir lebten mit einigen weiteren jüdischen Familien in Lososna. In dieser schweren Zeit war es einfach, auf dem Dorf zu wohnen. Und die Deutschen kamen noch nicht auf die Idee, dass Juden auch in Dörfern leben könnten. In den Städten war die faschistische Hand schon zu spüren. Juden mussten die schweren Arbeiten verrichten, wurden ausgeraubt und die Menschen fingen an zu hungern. Man zwang die Juden, gelbe aufgenähte Sterne zu tragen. Das Grundstück, welches meinem Bruder gehörte, grenzte an Militärkasernen. Zu Zeiten der polnischen Herrschaft waren dort polnische Divisionen stationiert. Den Ort nannte man „Falim“ (Falusz).