Esterka – überlebende der Shoa

Die deutsche Propaganda leistete gute Arbeit. Für sie war es absolut unglaublich – Juden bearbeiteten Ackerboden? Zu all dem waren die Häuser sauber, ganz normal, sie Leute waren sogar gebildet und anständig. „Und ich dachte“, meldete sich ein anderer Deutscher, „die Juden seien ein dreckiges und unbedeutendes Volk.“ „Die haben uns den Krieg aufgehalst“, meinte der Dritte. Sie gingen auf dem Hof umher und vergaßen dabei nicht, die Hühner und alles, was ihnen gefiel, mitzunehmen. Wir spürten gleich, dass uns dieser „Besuch“ nichts Gutes bringen würde. Ab diesem Tag fingen für uns noch schwerere Zeiten und schlaflose Nächte an, besonders für meine Mutter. Der Kommandant des Ortes erließ den Befehl, alle sich im Dorf befindenden Juden zur Arbeit heranzuziehen. Und so mussten mein Bruder Lejme, die Brüder meiner Schwägerin, Sorech und Zalik, sowie die anderen Juden des Dorfes die schwersten anfallenden Arbeiten ausführen.

Eines Tages holte man auch die jüdischen Frauen, um die Wohnungen der Deutschen zu putzen, unter anderem auch meine Schwägerin Ljuba und mich. Es war Sommer und sehr heiß. Die Deutschen hatten aufgeteilt, wer wo zu arbeiten hatte. Die meisten Frauen wuschen die Böden, schälten Kartoffeln, putzten. Einer der Deutschen entschied sich, die Frauen zu schikanieren, besonders meine Schwägerin Ljuba. Mit einem Lächeln im Gesicht wies er sie an, alle Fliegen im Haus einzufangen. Besonders viele Fliegen befanden sich in der Küche. Meine Schwägerin widersetzte sich und wollte diese Anweisung nicht befolgen. „Ich bin keine Fliegenfängerin“, sagte sie. Der Deutsche zögerte nicht lange und schlug sie mit seiner starken, schmutzigen Hand mit voller Wucht ins Gesicht. Sie fing an aus der Nase und aus dem Mund zu bluten. (Man muss dazu sagen, dass sie eine naive Frau war. Sie war immer auf ihre Herkunft stolz, obwohl sie bei weitem nicht wie eine Jüdin aussah.) Sprachlos und erniedrigt stand sie nichts verstehend da.