Esterka – überlebende der Shoa

Eines Tages gelang es auch mir, aus dem Ghetto herauszukommen und ich ging in das mir bekannte Dorf Lososna. Ich nahm den gelben Stern ab und ging auf den Bürgersteigen der Stadt. Wie ich schon sagte, war es den Juden verboten, die Bürgersteige zu benutzen. Ihnen war befohlen worden, wie Vieh auf der Straße zu gehen. Bei Verstoß gegen dieses Gesetz drohten harte Strafen, man konnte dafür sogar erschossen werden. Meiner Mutter ging es sehr schlecht, denn sie, wie auch das ganze jüdische Volk, traf ein Schlag nach dem anderen. Die Kinder zu verlieren ist das Schlimmste, was Eltern passieren kann. Aber sie hielt sich tapfer, denn ihr brillanter Verstand sagte ihr, dass uns noch schrecklichere Zeiten erwarteten. Als Heranwachsende empfand ich sehr viel Mitgefühl für sie und ich wollte ihr Leiden lindern. Was konnte ich tun? Ich konnte mich nur um die Beschaffung von Lebensmitteln für unsere ganze Familie kümmern, denn für die jungen Männer war es wesentlich gefährlicher, sich ohne gelben Stern außerhalb des Ghettos zu bewegen. Ich empfand eine große Verantwortung für unsere Familie. Und so gelangte ich mithilfe verschiedener Transportmittel nach Lososna, das etwa fünf Kilometer entfernt war.