Esterka – überlebende der Shoa

Der Weg war schwierig, weil die Deutschen ständig diese Straße benutzten. Endlich gelangte ich zu den uns bekannten Polen, die auf einem Stück Land wohnten, das meinem Bruder gehörte. Dort tauschte ich meine Kleidung gegen Mehl und andere Lebensmittel. Die Tochter des Hauses, welche in meinem Alter war, überredete mich dazu, mit ihr in ein Nachbardorf zu gehen, wo ich im Tausch für meine Kleidung Fleisch oder ein Stück Wurst bekommen könnte. Ich wollte mitgehen, um meinen Angehörigen damit eine Freude zu machen. Und Fleisch oder Wurst – das war für uns zu der Zeit etwas Märchenhaftes. Wir machten uns auf den Weg. Obwohl ich in meinem noch kindlichen Herzen eine Unruhe spürte, siegte der Wunsch, etwas Besonderes nach Hause mitzubringen. Unterwegs trafen wir auf Deutsche. Sie grinsten und sagten etwas, aber wir taten so, als würden wir sie nicht verstehen. (Das polnische Mädchen verstand nichts, was auch besser so war.) Da hörten wir von einigen, die an uns vorbeigingen, dass im Nachbardorf eine große Fahndung nach Jugendlichen durchgeführt wurde und dass die Deutschen nun auch die polnischen Jugendlichen zur Arbeit „Lapanka“ heranzogen.