Esterka – überlebende der Shoa

Die Deutschen forderten von den Juden immer mehr und mehr Lösegeld. Auf Befehl der Deutschen wand sich der Juden Rat an wohlhabende Juden mit der Bitte um Hilfe, da die Deutschen jedes Mal eine andere Summe als Lösegeld für unterschiedliche „Vergehen“ forderten. Ferner nahmen sie Geiseln und forderten auch für sie Lösegeld, doch am Ende töteten sie die Geiseln trotzdem. Einer der Geiseln war mein Schwager Jawrower, ein ehemaliger Lehrer am Gymnasium in Grodno. Zuletzt begannen sie mit den Menschentransporten, „Aussendung zur Arbeit“ nannten sie es. Um das Misstrauen der Menschen nicht zu wecken, sperrten die Deutschen ganze Straßen ab und trieben dann die meisten dort lebenden Bewohner nachts aus ihren Häusern zum Bahnhof. Von dort schickten sie die Menschen mit den Güterzügen in die Lager, um zu sterben. (Davon erfuhren wir aber erst später.) Im Ghetto entstand ein großer Aufruhr. Die Menschen rannten Schutz suchend aus einer Straße in die andere, doch das war vergeblich.