Esterka – überlebende der Shoa

Sie verfolgten und misshandelten alle Juden, schoren ihnen die Kopfhaare, schlugen sie mit Stöcken und erniedrigten sie moralisch. Ich erinnere mich daran, wie die Deutschen in unser Haus eindrangen, plünderten, wertvolle Gegenstände an sich nahmen und meine Brüder bis zur Bewusstlosigkeit schlugen. Fast vier Monate lebten wir in Warschau unter dem Joch des Faschismus. In dieser Zeit verbreitete sich das Gerücht, dass man alle Juden in ein Ghetto pferchen würde und unser Leben in Gefahr sei. Meine Schwester Rachel und ich beschlossen, nach Osten in unsere Heimatstadt Grodno zu fliehen, in der sich zu der Zeit unser mittlerer Bruder Abraham aufhielt. Grodno befand sich in der Hand der Sowjets, sodass ich mit meiner ältesten Schwester als erste beschlossen, vor den Faschisten dorthin zu fliehen. Dies war der einzige Ausweg, um unsere jungen Leben zu retten. Eines Tages (das war, bevor die Deutschen alle Juden ins Warschauer Ghetto einschlossen) machten meine Schwester und ich uns auf in Richtung der Grenze Bug, denn wir hatten erfahren, dass man dort die Grenze zur Sowjetunion überqueren könne. Wir nahmen die letzten Ersparnisse mit uns sowie viel warme Kleidung und ich beschloss, auch mein Fahrrad mitzunehmen (welche Naivität), von dem ich mich einfach nicht trennen konnte, welches ich aber unterwegs leider liegenlassen musste.