Esterka – überlebende der Shoa

Die Deutschen töteten, schossen auf unschuldige Juden. Die Datierungen der jüdischen Feiertage kannten die Deutschen sehr gut und schikanierten die Juden an diesen Tagen besonders – sie stürmten ins Ghetto, verprügelten sie mit Schlagstöcken und lösten im Ghetto eine beispiellose Panik aus. An einem schicksalhaften Tag im Jahr 1942 spielte sich im jüdischen Ghetto eine Tragödie ab. Die Deutschen stürmten ins Ghetto und begannen niemanden verschonend mit ihren unmenschlichen Verhöhnungen. Zuletzt eröffneten sie das Feuer und nahmen Geiseln, unter denen sich meiner Erinnerung nach auch mein Vater befand. Er wurde im Ghetto von Grodno erschossen. Er gab sein Leben an Kiddush HaShem und ich musste das als junges Mädchen miterleben. Und wenn ich jetzt, nach vielen, vielen Jahren, die Kerzen an diesem Tag entzünde, sehe ich vor meinen Augen meinen Vater und meine Seele wird wieder von der selben Unruhe ergriffen, denn alles, was ich und das ganze jüdische Volk durchleben mussten, ist nicht spurlos an mir vorbeigegangen. In meinem leidenden Herzen und meiner Seele ist für ewig diese Trauer geblieben, welche bis zu meinem Lebensende nicht entfernt werden können wird.