Esterka – überlebende der Shoa

Die Waggons waren dunkel und hatten nur kleine Fenster. In jedem Waggon war nur sehr wenig Platz für so eine große Zahl von Menschen. Die Leute schubsten einander, einige hatten kleine Kinder bei sich. Wir gerieten in große Panik. Plötzlich bemerkte ich, dass auf dem Boden Brotleibe und weiße Würste lagen. Und da keimte in uns ein neuer Gedanke auf, wieder Hoffnung. Wenn man an uns denkt und uns Brot gibt, dann sind wir auf dem Weg zur Arbeit, dann dürfen wir weiterleben!!!

Aber die Deutschen bedienten sich unterschiedlicher hartherziger Tricks, unterschiedlicher Täuschungen, um das schutzlose Volk zu blenden und ihnen keinen Grund für Widerstand oder einen Aufstand zu geben. Um uns herum hörte man Schüsse fallen um diejenigen einzuschüchtern, die Fluchtgedanken hatten, obwohl es keine Fluchtmöglichkeiten gab. Und sobald der Zug sich in Bewegung setzte, fing eine unbeschreibliche Tragödie an. Da es sehr eng war, schubsten sich die Leute. Man konnte sich nicht mal umdrehen. Man hörte Kinder weinen und die Alten verdursteten. Es gab auch keine Möglichkeit, seine Notdurft zu verrichten (keine Toiletten) und der Eimer im Waggon lief schon längst über, denn man konnte ihn nur leeren, wenn der Zug kurz hielt. Außerdem war im Waggon sehr wenig frische Luft. Und so fuhren wir unter nicht auszuhaltenden, unmenschlichen Bedingungen bis zur Station Majdanek.