Esterka – überlebende der Shoa

Gold für Schnee

Die Zugwaggons eilten immer weiter und weiter. Unser Tod war schon nahe. Plötzlich verstanden wir, dass wir uns in einer großen Gefahr befanden, dass wir auf eine echte Tragödie zusteuerten. Die Menschen verdursteten. In den Waggons gab es kein Wasser mehr. Wir schauten durch die kleinen Fenster und sahen Menschen. Das Leben auf der Erde ging weiter, nur für uns war es zu ende. Wie Vieh waren wir eingesperrt und interessierten niemanden. Es gab sogar niemanden, der uns ein Glas Wasser geben wollte. Und so näherten wir uns der Stadt Tschenstochau. Der Zug wurde erst langsamer und blieb dann stehen. Wir fingen an, die ortsansässigen Polen darum zu bitten, uns etwas Wasser zu bringen. Wir sagten ihnen, dass die Kinder an verdursten seien. Die Menschen waren demgegenüber jedoch gleichgültig, einige lachten sogar und flüsterten: „Diese Juden bringt man in den Tod.“ „Sagt mir bitte, wo man uns hinbringt“, fragte ich und ein junger Pole machte eine Armbewegung und zeigte auf den Boden. (Seine Worte weiß ich noch, als wäre es gestern gewesen.) Erst verstand ich nicht, was er meinte und fragte erneut: „Wo bringt man uns hin?“ Da rief er: „Unter die Erde, nach Oświęciem.“ Im Waggon kam Panik auf, viele weinten und alle wurden von unbeschreiblicher Angst ergriffen.