Esterka – überlebende der Shoa

Die Deutschen entrissen den Eltern die Kinder, trennten Brüder von Schwestern. Die einen kamen auf die eine Seite, die anderen auf die andere. Auf der Rampe herrschte großer Aufruhr. Mütter weinten. Die Trennung von den Verwandten war tragisch. Und wieder kann man diese schreckliche, unvergessliche Nacht auf der Rampe von Oświęciem nicht mit Worten beschreiben. Dann war auch ich an der Reihe. Zu uns kam ein Deutscher mit einem Hund und riss mich von meiner Mutter weg. Sie ließ ihren letzten kleinen Koffer aus der Hand gleiten und streckte ihre noch warmen, geliebten Mutterhände nach mir aus. Ich wollte mich um ihren Hals werfen, ihr entgegenlaufen, mit ihr zusammen sein. Doch der Deutsche ergriff mich mit seiner starken Pranke und warf mich auf die andere Seite. Ich hörte den schrecklichen Schrei ihrer Seele. Ich sah ihr nach und mein Herz zerriss vor unerhörtem Leid. In dieser ganzen Panik stellte man uns junge Leute in Reihen auf, fünf Personen pro Reihe. Männer und Frauen getrennt.