Esterka – überlebende der Shoa

Ich möchte noch eine Begebenheit beschreiben, in der ich durch ein Wunder dem Tod entkam. Wir gingen wieder zur Arbeit außerhalb des Lagers. Dieses Kommando nannte man „Draußen-Kommando“. Uns wurde befohlen, Erde zu schaufeln und mit den Wagen von einem Ort an den anderen zu bringen (zwecks unserer Vernichtung). Das war während der ersten Tage meiner Anwesenheit im Lager. Ich schaufelte die Erde, wurde allerdings nach einiger Zeit müde. Daher legte ich die Schaufel zur Seite und entschied mich dazu, etwas auszuruhen. Plötzlich spürte ich einen Schlag auf meinen Kopf und noch bevor ich zu mir kommen konnte, packte mich eine „Kapo“ am Kragen, verfluchte mich auf Bulgarisch und zerrte mich zur deutschen Aufseherin. Offensichtlich hatte mich diese Aufseherin gesehen, als ich im Lager ankam und man mich schor und dabei meine langen, schwarzen Zöpfe, die ich so liebte, abschnitt. Sie fragte mich höhnisch lachend: „Wo sind deine schönen Zöpfe, deine schwarzen Haare? Ich habe gesehen, wie sie dir abgeschnitten wurden. Bald werden wir auch aus deinem wundervollen Körper etwas Nützliches machen. Wir werden aus ihm Palmolive-Seife machen, du verfluchte Jüdin.“ Anschließend befahl sie der „Kapo“, meine Nummer zu notieren, was Block 25 bedeutete – Tod. Als wir erschöpft und erniedrigt wieder ins Lager zurückkehrten, umringten mich aus Sorge um mein Schicksal die Mädchen aus meinem Block. Ich war ebenfalls in Sorge. Sie rieten mir, mich in einem anderen Block, eine andere Baracke zu verstecken. Und so wurde ich auf wunderbare Weise wieder gerettet.