Esterka – überlebende der Shoa

Ich erinnere mich daran, als wäre es gestern gewesen. Die Blockführerin rief meinen Namen und teilte mir mit, dass mein Cousin mich nach langer Zeit der Trennung sehen möchte. Vor mir erschien ein mir unbekannter Mann, mit gestreiften Sachen bekleidet. Wir reichten einander die Hand und ab der Minute waren wir nicht nur Verwandte, sondern auch gute Kameraden für den Rest unseres Lebens. Ich stand vor ihm und schämte mich ein wenig wegen meines Aussehens. Ich machte während der ersten Minuten eine unbedeutende Bewegung mit meinem Kopf und mein Kopftuch fiel runter. Mein Kopf war vollkommen kahl, geschoren. Da er meine Scham und mein Unbehagen spürte, lächelte er. Wahrscheinlich dachte er: „Das ist eine Kleinigkeit.“ „Du bist ja noch so jung“, sagte er. Da wir nur wenig Zeit hatten, wechselten wir gleich zu anderen Themen. Schnell erklärte er mir meine Aufgabe – jede Minute war wertvoll, zudem drohte uns große Gefahr, indem uns jemand von den deutschen SS-Leuten zusammen sehen könnte. Und der Feind lauerte überall…