Esterka – überlebende der Shoa

Es gab auch welche, die in ihrer Kleidung Geld versteckt hatten, Geld aus unterschiedlichen Ländern. Und all das war in diesen Baracken konzentriert, um es dann alles mit deutscher Genauigkeit einzeln zu sortieren, heimlich, und es dann in ihr Reich zu schicken. Schuhe wurden ebenfalls sortiert. Es waren so viele Schuhe! Große und kleine, schöne feine Schuhe. Und jetzt, während ich dieses Bild, diese Szenen beschreibe, bin ich aufgewühlt und Tränen tropfen auf diese Zeilen. Ich wünsche, dass meine Kinder, Enkel und kommende Generationen niemals diese winzigen Schühchen, diese Kleinen, diese Kinder, die in den Gaskammern von Auschwitz-Birkenau verbrannten, vergessen. Und sich zu erinnern bedeutet, niemals zuzulassen, dass die Erde von Kannibalen beherrscht wird. Sich zu erinnern bedeutet, niemals diejenigen zu vergessen, die unschuldig im grauenhaftesten Lager der Menschheitsgeschichte umkamen!

In diesen Baracken arbeiteten sowohl Männer aus dem Männerlager von Birkenau als auch Frauen. Aus dem Frauenlager kamen aus den Baracken zwei Kommandos mit den Bezeichnungen „Weißkäppchen“ und „Rotkäppchen“. Die einen trugen weiße und die anderen rote Kopftücher. Sie sortierten und stapelten die Sachen. Die Deutschen beobachteten sie scharf und wehe dem, der sich einen Fehler erlaubte. Und wenn eines der Mädchen etwas „organisierte“, irgendeine Sache, drohte ihr großer Gefahr. Allerdings genossen diese Gefangenen, sowohl die Männer als auch die Frauen, einige „Privilegien“, und zwar: sie konnten die Lebensmittel, welche die Menschen von den Transporten ins Lager brachten, essen. Dieses Kommando, oder vielmehr diesen Ort, an dem sich der Reichtum der Menschen aus ganz Europa befand, nannte man „Kanada“. Womöglich war das Leben dieser Gefangenen deshalb einfacher als das der anderen. In erster Linie sicherlich schon allein deshalb, weil sie nicht so hungrig waren wie wir, die wir uns im inneren des Lagers befanden. Im Bereich „Kanada“ hielten sich Deutsche mit recht hohem Rang auf. Sie achteten auf die „Ordnung“, damit nichts verschwand und damit die Gefangenen keine Wertsachen „organisierten“. Deshalb mussten sich die Mädchen auf Veranlassung der Deutschen nach der Arbeit oft ausziehen und durchsuchen lassen.