Esterka – überlebende der Shoa

Anna war eine der ersten Gefangenen von Oświęciem und eine der wenigen, die die menschliche Erscheinung bewahrt hatte, ungeachtet dessen, dass sie bereits ein hohes „Dienstalter“ mit vielen erlebten Schrecken hinter sich hatte. Ihre Lagernummer 56 spricht schon eigenständig von ihren erlebten Leiden. Sie, eine deutsche Kommunistin, verteidigte Stolz die menschlichen Werte. Sie nahm mich sofort unter ihren Schutz und wurde für mich zu einer nahestehenden Person. Sie kam gebürtig aus Essen und nachdem sie erfuhr, dass meine ganze Familie umgekommen und meine Mutter im Krematorium von Birkenau verbrannt worden war, beabsichtigte sogar, mich zu adoptieren. Mein Schicksal berührte sie. Als langjährige Gefangene, die Kontakte zu vielen mit „verantwortungsvollen Funktionen“ hatte, wie zum Beispiel zum „Effekts-Kommando“, und viele ebenfalls inhaftierte Deutsche kannte, konnte sie Kleidung, Brot, Wasser und einiges mehr „organisieren“. Damit half sie anderen Gefangenen, die überhaupt keinen Zugang zu diesen „Gütern“ hatten. Mich persönlich hatte sie eingekleidet und mit Schuhen versorgt. Sie warf meine großen Holzschuhe weg und brachte mir gute Stiefel. Das war im Winter 1943.