Esterka – überlebende der Shoa

Mit der Idylle war es, wie bereits erwähnt, zu Ende. Nach dem Tod von Anna Blumer teilte man mir eine andere Arbeit zu. Und da bekam ich von der Untergrundorganisation, deren Leiter David Schmulewski war, die Anweisung, in der Zukunft Marie-Claude zu helfen. Der Anweisung wurde Folge geleistet. Ich als Kontaktperson der Untergrundorganisation des Lagers Birkenau hatte keine Möglichkeit mehr, in den „Quarantäne-Block“ zu gelangen, in dem Marie-Claude und ihre Freundinnen aus dem Lager befreit werden sollten. Jedenfalls gab es solche Gerüchte im Lager. Wie ich bereits erwähnte, war es gefährlich, sich den Blöcken zu nähern, in denen die Franzosen untergebracht waren, denn dies weckte das Misstrauen der SS. Doch die Jugend besiegte die Angst. Und wieder fing ich an, Marie-Claude und ihren Kameraden zu helfen. Ich brachte Lebensmittel, Kleidung, alles, was ich irgendwie „organisieren“ konnte. Den Kontakt zu Marie-Claude und ihren Kameraden hielt ich fast bis zur Befreiung aufrecht. Die Deutschen entließen Marie-Claude nicht aus dem Lager. Kurz vor der Befreiung des Lagers durch die Rote Armee wurden Marie-Claude und ihre Freundinnen in ein anderes Lager verlegt. Wenn ich mich nicht irre, kamen sie nach Ravensbrück. Nach vielen Jahren begegnete ich Marie-Claude in Moskau. Über diese Begegnung werde ich später berichten.