Esterka – überlebende der Shoa

Arbeit im Kommando „Weberei“

Weil ich mich einer der Ärztinnen im Revier nicht unterordnet hatte, war meine Arbeit im Revier für einige Zeit unterbrochen. Und das kam so: Sie hatte mich geschlagen. Die Ärztin Manzi hatte in einer der Baracken Dienst. Während ihres Dienstes weinte eines der Mädchen, das auf der Pritsche lag, sehr. Sie bat um etwas Wasser, doch Manzi ging nicht zu ihr hin. Da eilte ich zu dem kranken Mädchen und reichte ihr etwas Wasser. Und da „klebte“ mir Manzi, mir nichts, dir nichts eine auf die Wange. Das nannte man im Lager eine „Ohrfeige“. Ich sollte wohl erwähnen, dass Ohrfeigen im Lager sehr gängig waren. Der eine schlug den anderen. Da Dr. Manzi Mitglied der Untergrundorganisation war, erschien mir das unverzeihlich. Ich beschwerte mich bei Orli Reichert, welche im Revier die Verantwortliche war. Sie verlangte von mir, als Ergänzung für mein Verschulden um Vergebung zu bitten. Ich war damit nicht einverstanden und bestand stolz auf meinem Recht. In meiner kindlichen Seele herrschten damals noch Gerechtigkeit und eine gewisse Unschuld. Für meine Sturheit warfen sie mich aus dem Revier. Das war für mich eine große Kränkung, denn ich glaubte an den guten Anfang des Menschen, und gleichzeitig war es eine furchtbare Strafe. Im Lager war der Gefangene das Krematorium viel näher und die Umstände waren alptraumhaft. Aber es gab kein Zurück. Ich war wieder im Lager und von dort schickte man mich in das Kommando „Weberei“.